Das ist nur ein Trick von vielen … - Canon-Drucker mit “Verfallsdatum”
Davon ausgehend, dass es derzeit 2 Druckverfahren bei den Consumer-
Druckern gibt (Piezo und Bubble Jet), aber beide bei den Kosten
des Druckers und den Kartuschen in etwa gleich liegen muessen,
ergeben sich zu den Technologien folgende Kalkulationen:
Piezo:
Derzeit im Consumerbereich nur durch Epson vertreten.
Obwohl Epson schon weit mehr als ein Jahrzehnt Entwicklungsarbeit
in die Piezotechnik gesteckt hat, kostet Epson die Herstellung eines
Druckkopfs (der Duesen fuer Schwarz und Farben hat) heute zwischen
200 - 300 DM. Wenn man davon ausgeht, dass der ganze Drucker fuer
einen Preis in dieser Gegend verkauft wird, wird schnell klar,
dass hier kein Gewinn zu erzielen ist, sondern Verluste gemacht
werden (muessen). Obwohl der “Rest” des Druckers nichts kosten darf,
ist die Qualitaet der Drucker erstaunlich gut. Geld bringen dagegen die
Kartuschen, die in der Herstellung kaum Kosten verursachen (da
aus Plastik, Schwamm und Tinte bestehend), aber teuer verkauft werden.
Damit diese moeglichst schnell leer werden, reinigt der Drucker den
Druckkopf oft und intensiv. Um feststellen zu koennen, wann der
naechste Reinigungszyklus erreicht ist, hat der Drucker eine RTC (Uhr)
eingebaut, die im ausgeschalteten Zustand ueber eine Batterie versorgt
wird. Legt man das typische Druckaufkommen eines Consumers zugrunde
(moeglichst wenig Seiten/Tag und alle paar Tage eine Nutzung), so
findet nur der kleinste Teil der Tinte den Weg auf das Papier, der
groesste Teil wird durch die Reinigung vernichtet. Ökologisch gesehen
wird das ganze zur Katastrophe, weil der Drucker bei den vielen
Reinigungszyklen die geflossene Tinte - im Gegensatz zum Druckbetrieb,
wo mit genau definierten Tintenmengen gepixelt wird - nicht messen oder
kontrollieren kann, da hier viele Faktoren, wie z.B. Temperatur eine
Rolle spielen. Um streifige Ausdrucke oder Lufteintritt
in den Druckkopf zu verhindern, muss der Hersteller hier grosszuegig
Reserven einplanen - dabei befindet sich normalerweise noch ein
Grossteil der Tinte in der Kartusche, wenn der Drucker bereits die
Arbeit wegen einer angeblich leeren Kartusche verweigert. Zu allem
Ueberfluss steht ein Teil der Tinte nicht mehr zur Verfuegung, da er
dauerhaft im Schwamm festhaengt. Die bei der Reinigung abgesaugte Tinte
gelangt uebrigens auf eine saugfaehige Unterlage unten im Geraet. Diese
saugt zunaechst die Tinte auf und laesst das Loesungsmittel dann
langsam verdunsten (alle Tinten fuer Consumerdrucker sind derzeit auf
Wasserbasis). Diese Unterlage ist
es auch, die einen Hersteller in einem Garantiefall oder Reparatur
als erstes interessiert: Sie wird ausgebaut und in einem Chemielabor,
das unter Vertrag steht, auf Substanzen untersucht, die nicht in der
Originaltinte enthalten sind. Das ist dann der Fall, wenn refillt
wurde.
Einen Vorteil hat das Ganze System allerdings: Da der Drucker in
der Herstellung recht teuer ist, hat der Hersteller ein groesseres
Interesse an einer langen Lebensdauer, wenigstens bei dem Drucker
selbst …
Bubble Jet:
Wegen des schnellen Verschleisses der Druckkoepfe nur im
Consumerbereich anzutreffen. Hersteller sind alle anderen ausser Epson,
z.B. Canon und HP etc. Die Drucker selbst sind deutlich billiger in der
Herstellung als Piezo-Drucker. Allerdings ist der Gewinn bei den
Kartuschen auch geringer, da in jeder Kartusche auch ein Druckkopf
enthalten ist, der zwar nicht einmal 1/10 eines Piezokopfes kostet,
dafuer mit jeder Kartusche zu Buche schlaegt.
Wenn man davon ausgeht, dass die meisten BJ-Drucker 3 Kartuschen
verwenden koennen (Schwarz, Farbe und Foto), wird einem klar, warum die
Hersteller an einem schnellen Ableben der Drucker interessiert sind:
Bei einem neuen Gerät sind die alten Kartuschen nicht mehr verwendbar,
da der Hersteller natuerlich inzwischen aus gegebenem Anlass die Form
der Kartusche etc. geaendert hat. Damit das nicht bereits in der
Garantiezeit passiert, hat der Hersteller mehrere Moeglichkeiten: Zum
einen kann die Tintenmenge oder Seitenzahl gezaehlt werden, und nach
Ueberschreiten eines bestimmten
Wertes, der ueber Statistiken zum Druckaufkommen bei den Consumern
ermittelt wird, der Drucker “deaktiviert” werden. Zum anderen sind
auch Loesungen auf Basis einer Uhr moeglich, anhand derer der Drucker
feststellt, wann “seine Zeit abgelaufen ist”. Nachdem immer mehr PCs
online sind, sind in Zukunft auch neuere Verfahren denkbar: Der
Druckertreiber dient zusaetzlich als Verbindung
Hersteller <-> Drucker. Dazu schaut er ab und an auf einem Server
seines Herstellers nach neuen Informationen, die er dann an den
Drucker weitergibt. Auf diese Weise kann ein Hersteller flexibel
die Verfallsfunktionen aktivieren/deaktivieren und auch Drucker
reaktivieren, um Schadensersatzklagen etc. aus dem Weg zu gehen,
wenn eine Verbraucherschutzgruppe mal wieder einen Skandal in das Licht
der Oeffentlichkeit gerueckt hat.
Trotz allem ist der Consumer hier selber schuld. Selbst wenn der
Hersteller das wollte, wuerde ein Verbraucher selbst dann nicht einen
teuren Drucker kaufen, wenn die Kartuschen sehr billig waeren (dann
waere z.B. bei Piezo ein Preis von 5-10 DM / Kartusche moeglich). Es
muss alles (zumindest auf den ersten Blick, und das ist das Preisschild
am Drucker) billig sein. Ein Hersteller muss auf diese Situation
reagieren und einzig allein das ist der Grund, warum
bereits Drucker fuer 90 DM in den grossen Consumer-Verkaufstempeln
stehen. Ich frage mich, wann die Modelle fuer 60 DM kommen,
bei denen die Kartusche dann gar nicht mehr austauschbar ist …
Das alles bedeutet auch nicht, dass Tinte einem Laser generell
unterlegen ist. Hochwertige Tintendrucker arbeiten mit Öltinte (absolut
Wasserfest) und einem feststehenden Tintentank, aus dem
ueber eine Ink-Pump die Tinte ueber ein Schlauchsystem zum Kopf gepumpt
wird. Dadurch kann z.B. auch auf die Schwammtechnik
verzichtet werden. Allerdings kostet so ein Drucker etwa das
Zehnfache eines ueblichen Consumerdruckers, und das in der
Monochrom-Version …
Dafuer liegt der Seitenpreis dann weit unter dem eines Laserdruckers.
Ich selbst habe bis vor kurzem bei einem Druckerhersteller gearbeitet,
der nur Drucker fuer den Industrie-Einsatz herstellt. Aber auch hier
wird schon ueber Kartuschen auf Schwammbasis, die mit dem Kopf
mitgefuehrt werden, nachgedacht, nachdem die Kunden sich an dem hohen
Geraetepreis erschrecken …
Ich will hier sicherheitshalber keine Namen nennen, aber man
sollte sich den Namen der Firma anhand meines Nicks denken koennen…
Ciao, Tiny